Vancouver Island

Vancouver Island gehört zu einem dieser Flecken auf unserem Planeten, der uns ganz besonders in seinen Bann gezogen hat. An der Westküste findet man Küstenregenwald mit Baumriesen, die fast 100m in die Höhe ragen und auf der wettergeschützten Ostseite dagegen scheint quasi das ganze Jahr über die Sonne. Vor allem die Tierwelt sucht hier seines Gleichen. Die Insel beherbergt z.B. Wölfe, Schwarzbären, Elche oder Pumas und auch die Gewässer rund um das Eiland sind aufgrund des enormen Fischreichtums voll mit Leben. Auf Bootstouren lassen sich so Seelöwen, Wale, Delfine und Orcas aus nächster Nähe beobachten. Wer also Wildlife und unberührte Natur liebt ist auf Vancouver Island genau richtig!

Wandern im Küstenregenwald und Kajaktour im Clayoquot Sound

Für unseren Aufenthalt auf Vancouver Island entscheiden wir uns für 2 Stops mit jeweils 3 Übernachtungen. Die sehenswerte Hauptstadt Britisch Columbias (Victoria) lassen wir bewusst aus und widmen uns lieber ganz dem Naturerlebnis. Die ersten 3 Nächte verbringen wir in Tofino. Das knapp 2.000 Einwohner zählende Örtchen liegt an der Westküste und gehört zum Gebiet des Clayoquot Sound und eignet sich somit bestens als Ausgangspunkt für einen Besuch des Pacific Rim Nationalparks. Die Anreise ist sehr einfach. Vom Festland setzen wir mit BC Ferries von Horseshoe Bay nach Nanaimo für knapp 60€ über. Ein Platz für unseren Mietwagen ist im Preis natürlich enthalten. Danach geht es für rund 200km über den Pacific Rim Highway bis nach Tofino. Wir kaufen im gefühlt einzigen Supermarkt der Stadt ein paar Snacks für den nächsten Tag und gehen Abends noch lecker im SHELTER Restaurant essen.

Für unseren ersten Tag heute steht eine Erkundung des Pacific Rim Nationalparks auf dem Programm. Sehr zu empfehlen ist der Rainforest Trail, welcher aus zwei kleinen 1km kurzen Rundgängen durch den Regenwald besteht. Es lohnt sich ganz genau hinzusehen. Wir erspähen z.B. 2 kleine Schlangen und diverse Frösche. Überall finden sich Infotafeln mit Erklärungen zum Ökosystem Küstenregenwald. Danach absolvieren wir den ebenfalls 1km kurzen Schooner Trail, der durch den Wald bis direkt an den Strand führt. Das herumliegende Treibholz und die etwas diesige Luft sorgen für eine mystische Atmosphäre. Spätestens jetzt hat Vancouver Island einem den Kopf verdreht.

Für den zweiten Tag empfehlen wir, sofern es die körperliche Fitness zulässt, eine 6h Kajak-Tour ins Clayoquot Sound zu unternehmen! Anscheinend schrecken viele vor der 6h Tour zurück und buchen stattdessen die 2,5 h Standard-Tour. Uns natürlich sehr recht, denn wir sind somit nur mit unserem Guide Spencer und einer weiteren Teilnehmerin unterwegs. Wir paddeln mit den Gezeiten in Richtung Vargas Island, als Spencer uns plötzlich mitteilt, dass ein Ausflugs-Boot Orcas in nicht allzu weiter Entfernung gesichtet hat. Wir drehen also in Richtung offenes Meer ab und bereiten uns seelisch auf eine Begegnung mit den schwarzen Riesen vor. Umso weiter wir paddeln desto schneller schlägt unser Herz. Vor allem auch weil der Wellengang langsam zunimmt. Unser Guide entscheidet daher das Unterfangen abzubrechen und doch wieder in ruhigere Gewässer zu gelangen. Eigentlich schade, allerdings kommen wir so etwas schneller zu unserer wohlverdienten Mittagspause auf Vargas Island. Auf dem Weg sehen wir Weißkopfseeadler, Seelöwen und einen Seeotter. Dann wird uns bei Indianer Geschichten am Lagerfeuer auf der unbewohnten Insel erst richtig bewusst – mehr Natur geht nicht! Zumal es wohl auch eine größere Wolfspopulation auf der Insel geben soll. In Summe ein unvergesslicher Ausflug und somit absolutes MUSS in Tofino! Danke nochmal an unseren Guide Spencer von Paddle West Kayaking.


Auf der Suche nach Wildlife im sonnigen Osten

Unsere Reise führt uns heute von Tofino an der Westküste nach Campbell River an der Ostküste. Auf dem 300km langen Weg stoppen wir nach knapp der Hälfte am MacMillan Provincial Park. Hier unternehmen wir einen Hike auf dem Cathedral Grove Trail und bestaunen die riesigen Douglasien. Das höchste Exemplar misst 75m! Zwar ist es hier etwas voller, aber da der Park eh auf dem Weg liegt lohnt sich die Pause auf jeden Fall. Danach gibt’s den nächsten Stop schon ein paar Kilometer später im Little Qualicum Falls Provincial Park. Wir unternehmen auch hier eine kleine Wanderung durch die Natur. Ganz nett, aber nicht überragend. Wir kommen gegen Nachmittag in Campbell River  (CR) an, beziehen unsere Unterkunft und gehen Abendessen. Zum Abschluss des Tages gibt es noch ein sensationelles Eis am Fishing Pier und einen tollen Sonnenuntergang gratis als Sahnehäubchen obendrauf.

An Tag 1 in CR steht für uns ein weiteres Highlight auf dem Programm. Im Vorfeld unserer Reise haben wir über den Touranbieter CR Whale Watching & Adventure Tours zwei verschiedene Touren zum Kombipreis gebucht. Diesen gibt es nur auf Anfrage, also keine falsche Scheu. Heute starten wir mit einer 8-stündigen Tour zu den Grizzlys im Bute Inlet. Morgen steht dann noch eine genau so lange Orca-Tour an. Sofern man in der richtigen Reisezeit vor Ort ist, werden in beiden Fällen Sichtungen garantiert. In unserem Fall (Anfang/Mitte September) dürfen wir uns also wohl auf die Begegnungen freuen. Mit Schnellbooten fahren wir zwei Stunden über das Wasser und sehen auf dem Weg schon Seelöwen, Weißkopfseeadler und etwas weiter entfernt auch ein paar Delfine. Dann sind wir endlich da. Es gibt eine Einweisung. Mit Grizzlybären ist nicht zu spaßen! Dann geht es in kleinen Bussen über Stock und Stein. Wir sehen eine Grizzly-Mama mit ihren zwei Cups und dürfen ganz leise aussteigen. Die drei befinden sich auf der anderen Flussseite ca. 20m von uns entfernt und könnten, wenn sie denn wollten, innerhalb von Sekunden bei uns sein. Die Guides halten daher für den Fall der Fälle ihr Bärspray bereit. Wir machen tolle Fotos und fahren dann weiter. Am Ende des Tages sehen wir insgesamt 6 Bären. Insgesamt ein unglaubliches Erlebnis welches seinen krönenden Abschluss auf dem Rückweg findet. Auf etwa halber Strecke treffen wir auf eine riesige Gruppe Pacific Whitesided Dolphins, die in der Bugwelle spielen und teilweise zum Greifen nah sind.

Vollgestopft mit Eindrücken und gefühlt 1.000 Fotos mehr auf dem Chip, sind wir gegen späten Nachmittag zurück in CR, haben aber noch nicht genug. Wir sind viel mehr erst recht richtig angefixt und wollen noch zur Salmon-Hatchery fahren. Von unserer Gastmama haben wir diesen Tipp bekommen. Hier gibt es wohl viele Schwarzbären die angezogen vom Lachs den Fluss besuchen. Wir parken unser Auto und wandern los. Im Gegensatz zu unseren anderen Hikes in den Rockies fühlt man hier regelrecht die Anwesenheit der Bären. In den Rockies KANN es sein, dass man einem Bären über den Weg läuft, hier ist es gefühlt nur eine Frage der Zeit. Das Bearspray ist dementsprechend stets gezückt. Wir schließen uns einem Paar mit zwei Kindern an und treffen schließlich nach kurzer Zeit auf unseren ersten Schwarzbären. Dieser hat aber anscheinend mehr Angst vor uns als wir vor ihm, so dass er panisch davon rennt 😉 An der Hatchery angekommen, gehen wir zum Wehr direkt hinter dem Gebäude. Hier können wir aus nächster Nähe noch drei weitere Bären beim Lachsfischen beobachten. Was für ein unglaublicher Tag!!! Erschöpft und vollgepackt mit Erlebnissen fallen wir tot ins Bett.

Tag 2 hat nicht viel weniger zu bieten. Auch Heute müssen wir früh los, um unser nächstes Abenteuer zu erleben. Um 9:30 startet die Zodiak-Tour zu den Orcas. Wir bekommen eine Art Astronauten-Anzug der gegen den Fahrtwind schützen soll. Dann geht es mit Vollgas raus aufs Wasser auf die Suche nach den schwarzen Riesen. Es dauert nicht lange und wir bekommen einmal mehr Seelöwen und Weißkopfseeadler zu Gesicht. Dann sehen wir einen Wal und kurz darauf sind sie da – Orcas. Eine kleine Gruppe von ca. 5-7 Tieren schwimmt entlang der Küste. Orcas stehen unter strengem Schutz und wir dürfen daher nicht allzu nah ran. Trotzdem ist es ein toller Anblick! Wir fahren weiter und treffen an fast gleicher Stelle wie gestern auf die große Gruppe Pacific Whitesided Dolphins. Heute sind diese anscheinend noch besser drauf. Teilweise springen die Delfine meterhoch aus dem Wasser und spielen und springen in der Bugwelle. Es ist faszinierend wie zutraulich die Tiere sind und einfach ein tolles Erlebnis. Vor allem wenn man bedenkt, dass Delfine in Gefangenschaft zum Springen animiert werden müssen. Hier bekommen wir eine Delfinshow geboten, die so garantiert in keinem Delfinarium der Welt zu sehen sein wird. Auf dem Rückweg treffen wir auf eine weitere Gruppe Orcas, die etwas näher vor unsere Linse schwimmt. Wir sind einmal mehr total geflasht von den Eindrücken. Als Belohnung für was auch immer gehen wir Abends nochmal zum Fishing Pier und holen uns eine leckere Kugel Eis. Wir starren aufs Wasser und sehen tatsächlich die Orcas vorbeiziehen. Unsere Gastmama sagt uns später, dass das max. 1x im Jahr vorkommt. Wir sollten heute noch Lotto spielen 😉


Fazit

Hätte uns einer vorher gesagt, welch unglaubliche Abenteuer wir auf Vancouver Island erleben können, wir hätten auf jeden Fall noch mehrere Übernachtungen hinzu gebucht. Alleine in Campbell River passt der Besuch der Elk Falls genauso nicht in unseren Zeitrahmen, wie eine Schnorcheltour mit den Lachsen im Fluss. Auch den Norden Vancouver Islands lassen wir komplett links liegen. Dabei soll es hier noch deutlich einsamer und wilder sein. Wer wilde Tiere sehen möchte, wählt als Reisezeit den Spätsommer mit der Lachswanderung. Bären und Orcas sind dann quasi garantiert. Wir sind total begeistert von Vancouver Island und nehmen dieses Reiseziel in unsere Hall of Fame auf. Wir werden wieder kommen!

2 Antworten

  1. Hallo Nadine & Jan,
    was für Glück ihr hattet! Eure Erlebnisse klingen genau nach unserem Geschmack 🙂
    Wir werden im September unsere 2. Reise nach Vancouver Island antreten. Bei unserer ersten Reise haben wir den Norden quasi auch links liegen lassen. Diesmal werden wir nach Port McNeil fahren und von dort in ein Orca Camp zum kayaken. Wir sind schon echt gespannt 🙂
    Wo genau habt ihr den die Bären beim Lachsen beobachtet? CR = Campbell River?
    Liebe Grüße,
    Tobi und Laura

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