Tabin Wildlife Reserve

 

Tag 7 – 8 unserer Borneoreise. Für unser Dschungelabenteuer im Osten Sabahs nehmen wir uns eine ganze Woche Zeit und wählen hierfür drei Stationen. Starten werden wir im Tabin Wildlife Reserve, danach geht´s tief in den Dschungel zur Borneo Rainforest Lodge im Danum Valley und abschließend dann noch zwei Nächte in der Sukau Rainforest Lodge am Kinabatagnan River. 

Im Vorfeld der Reise stellte vor allem dieser Teil unserer Borneorundreise uns vor eine kleine Herausforderung, denn die Unterkünfte im Tabin Waldlife Reserve und im Danum Valley sind nur über direkte Anfrage zu buchen. Häufig werden Pakete über verschiedene Reiseanbieter angeboten. Da wir aber nur ungern auf einen Reiseanbieter zurückgreifen und auch diesen Teil der Reise individuell gestalten wollen, haben wir über das Tabin Wildlife Reserve ein Angebot für eine auf unsere Wünsche zurecht geschnittene Combo mit allen drei Naturreservaten angefragt. Ausnahmsweise haben wir hier somit tatsächlich mal ein Komplettpaket inklusive Unterkünfte, Verpflegung, Transfers und allen geführten Exkursionen gebucht. Im Nachhinein können wir auf eine perfekte Woche zurückblicken! Alles hat wie im Vorfeld vereinbart, ohne Verzögerungen reibungslos funktioniert.

Aber nun von vorne….

Tag 7

Heute geht es für uns nach Ost-Sabah, wo wir unser Dschungelabenteuer im Tabin Wildlife Reserve beginnen. Unser Flug von Kota Kinabalu nach Lahad Datu geht schon um 6:10 Uhr, also um 4 Uhr aufstehen. Durch den frühen Flug gewinnen wir einen ganzen Tag im Tabin Wildlife Reserve. Die Flugzeit für die 270 km beträgt nur 45 Minuten, so dass wir bereits um kurz nach 7 Uhr morgens in Lahad Datu landen.

Obwohl Lahad Datu mit über 200.000 Einwohnern eine große Stadt ist, ist der Flughafen ähnlich klein wie in Mulu und hat ausschließlich 4 Mal täglich die Verbindung von und nach KK. Wir werden am Flughafen von einer Mitarbeiterin des Tabin Wildlife Reserve empfangen und in das Büro, welches sich direkt in dem kleinen Flughafengebäude befindet, gebracht. Dort bekommen wir ein illustriertes Informationsbuch über das Tabin Wildlife Reserve und ein Heft, in dem wir unsere Tiersichtungen dokumentieren können. Toller Service!

Um 8 Uhr geht es dann per 4×4 Geländewagen in Richtung Tabin Wildlife Reserve. Die Fahrt dauert 1,5 Stunden, wovon es die letzte Stunde, 26 km, auf einer schlechten Gravelroad in den Wald Richtung Naturschutzgebiet geht. Entlang der Straße reiht sich eine Palmölplantage an die nächste. Irgendwann ändert sich das Bild und auf der rechten Straßenseite ist Wald des Naturschutzgebietes und links weiterhin Palmölplantagen so weit das Auge reicht.

Um 9:30 Uhr kommen wir am Tabin Wildlife Resort an, der einzigen Übernachtungsmöglichkeit im Naturschutzgebiet. Wir werden nett mit einer Krone aus einem langen Pandanblatt, kühlen feuchten Lappen und einem kalten Getränk begrüßt. Jessica, unser Guide, stellt uns das Programm für unseren Aufenthalt vor und wir sind schon ganz gespannt auf unser Dschungelabenteuer.

Das Tabin Wildlife Reserve liegt direkt an einem Fluss und verfügt über ein offenes Hauptgebäude, wo sich der Essbereich, eine kleine Bar und auch ein Aufenthaltsbereich befindet, und über River und Mountain Lodges. Entsprechend der einheimischen Kultur werden auch hier die Lodges und der gesamte Bereich des Hauptgebäudes nur nur ohne Schuhe betreten.

Wir beziehen eine River Lodge, einen frei stehenden Bungalow direkt am Fluss. Diese ist zwar recht einfach, aber  sehr sauber und sogar mit Klimaanlage und Balkon zum Fluss hin. Das Wasser für das Bad, also auch die Dusche, wird ungefiltert aus dem Fluss gewonnen und ist daher aufgrund des vielen Regens in letzter Zeit aktuell recht braun. Die „Dusche“ hat keine Abtrennung zum restlichen Bad, dass heißt der Duschkopf hängt direkt neben dem WC ohne Vorhang o.ä. In Summe also etwas abenteuerlich das Ganze :)!

Um 10 Uhr beginnt auch schon unser Programm, die Einweisung in die Natur und das Tabin Wildlife Reserve in dem kleinen eigenen “Museum” der Lodge. Dort stellt Jessica uns die verschiedensten Tiere, den Wald und die Geschichte des Tabin vor. Bis auf ein kleines Gebiet, die Core Area, gibt es im Tabin nur Secundary Forest, also Urwald der bereits schon mindestens einmal abgeholzt wurde. Borneo besteht noch zu 54% aus Regenwald, der Rest ist Farmland, überwiegend Palmölplantagen. Aus Naturschutzgründen ist es angeblich zum Glück im malaysischen Teil Borneos verboten neue Flächen des Regenwaldes zu Farmland zu machen. Lediglich die bestehenden Farmflächen dürfen weiter genutzt werden. Allerdings sind von den verbliebenen 54% Regenwald lediglich nur noch 20% Primary Forest, also Wald, der noch nie abgeholzt wurde. Das ist ziemlich erschreckend…

Draußen am Museum sehen wir dann eine Gruppe von 4-5 Borneo Gibbons. Beim anschließenden Lunch bekommen wir die Info, dass uns für unseren Aufenthalt leider ein neuer Guide zugeteilt wird. Schade, aber unser neuer Guide heißt Alistar und wie sich herausstellt ebenfalls ein hervorragender und perfekter Guide.

Den Nachmittag verbringen wir auf unserer eigenen Bungalowterrasse mit vier kleinen Fledermäusen in dem Giebel über unseren Köpfen.

Um 16:30 Uhr geht es dann auf zur Dusk Safari, in einem offenen Jeep mit Platz für 8 Personen plus Guide. Von den drei Stunden Safari fahren wir etwa zwei Stunden im Hellen bis zur Dämmerung die Parkstraße entlang. Am Wendepunkt, den Rand des Schutzgebietes, bekommen wir dann einige Infos über die Herstellung von Palmöl.

Das ist sehr interessant, da wir uns mit dem Thema bisher noch nie beschäftigt haben. Dabei ist Deutschland der zweit größte Abnehmer für Palmöl und Borneo der mit Abstand größte Lieferant, da das tropische Klima des Regenwaldes die perfekten Bedingungen für die Palmen liefert. Allerdings ist dies die größte Umweltsünde auf Borneo und einer der Hauptgründe für die Abholzung des Regenwaldes.

Das Thema Palmölplantagen ist schwierig, da dies einerseits viele Arbeitsplätze schafft und Geld in das Land bringt und anderseits aber langfristig die Natur und Tiere gefährdet.

Nachdem es dann ganz Dunkel geworden ist, gibt es den 1-stündigen Night Drive zurück Richtung Lodge. Alistar sucht fleißig mit einem riesen Schweinwerfer den Wegesrand nach Wildlife ab.

Insgesamt haben wir viel Glück und spotten ziemlich viel Wildlife auf unserer Safari, wie zum Beispiel im Hellen drei verschiedene Arten Hornbills (auch Rhino Hornbill), Gibbon, Pigtail Makaken, Monitor Lizzard, Adler, Eule und riesigen, unterarmlangen Millepede, den Alistar aufhebt und jedem auf dem Arm gibt. Im Dunkeln sehen wir dann eine weitere Eule, einen fliegendes Red Giant Flying Squirrel und sogar zwei Leopard Cats. Toller Trip der Lust auf mehr macht!

Nach einem leckeren Abendessen geht es um 20:30 Uhr direkt weiter, auf zum Night Walk. Wichtig – Egelschutz! Da wir keine Egelsocken besitzen, ziehen wir lange Socken an und stopfen unsere Hosen in die Socken. Dann ab in die von der Lodge gestellten Gummistiefel und das Shirt in die Hose gestopft fühlen wir uns ganz gut gegen Egel gewappnet. Zum Glück sehen wir keine Egel, dafür aber zwei schlafende Vögel. An einem besonders bunten und schönen Vogel gehen wir sogar in 30 cm Entfernung vorbei, da er nachblind ist und durch unser Licht geblendet nichts sehen kann. Zum Abschluss spotten wir dann noch eine schöne Baumschlange (Jasper Cat Snake) von der wir klasse Fotos aus ca. 50 cm Entfernung schießen können.

Nach einer erfrischenden Dusche mit light brown Flusswasser fallen wir nach unserem ersten Tag Dschungel glücklich und zufrieden ins Bett.


Tag 8

Neuer Tag – Neues Glück…

Wir starten mit einem Early Morning Drive um 6:30 Uhr. Daher auch etwas zu early schon wieder um 5:45 Uhr aufgestanden. Nach einem heavy Breakfast Asian Style (Beans, Toast und Asia Noodles) geht es mit Alistar und einer weiteren Touristin auf zur 2,4 km langen Wanderung zum Mud Vulkan. Der Trail zum Schlamm-Vulkan ist ziemlich schweißtreibend. In letzter Zeit hat es viel Regen gegeben und auch in der letzten Nacht noch fleißig geschüttet. Daher herrschen unter dem Blätterdach dampfsaunaähnliche Verhältnisse bei denen wir mit unseren Gummistiefeln durch tiefen und rutschigen Schlamm stapfen. Auch kleinere Flüsse durchqueren wir und sind froh über die von der Lodge gestellten Gummistiefel. Wildlife sehen wir leider keine, außer den ziemlich zahlreichen Leeches (Blutegeln). Teilweise picken wir je Stopp vier Egel und mehr von unseren Schuhen und der Hose. Am Ende des Tages aber hält die Verteidigungszone und kein Blutegel ist bis zur Haut vorgedrungen :)!

Am Mud Vulkan selbst steht ein kleiner Aussichtsturm mit Blick von oben auf den Mud Vulkan. Von dort nehmen wir einen kürzeren Weg, nur 800 m langen Weg, zurück zur Straße, wo ein Jeep bereits auf uns wartet. und uns zurück zur Lodge bringt.

Nach dem Lunch chillen wir auf der Hollywoodschaukel im Hauptgebäude mit Dschungel-View… Und dann was ein Regenspektakel! Einmal wässern bitte! Volle Pulle Wasser Marsch. Anscheinend ein profilaktischer Aufguss für den Afternoon Walk. Gut dass wir aktuell im trockenen sitzen. Noch…

Unser nächster Termin ist nämlich um 15 Uhr im Eagles Nest, ein 5 Minuten Fußmarsch die Straße hoch von der Lodge entfernt zur inkludierten Foot Soak mit Mud-Maske. Für solche Fälle stehen in jedem Zimmer und am Hauptgebäude Regeschirme bereit. Also geht es im strömenden Regen entlang der völlig überfluteten Straße zum Eagles Nest. Hier werden wir herzlich empfangen. Mit Schlamm-Maske aus dem Mud Vulkan und Fußbad in warmen Wasser mit Gewürzen wie Ingwer und Lemongras (Herbal Foot Soak) entspannen wir 20 Minuten.

Es regnet immer noch wie aus Eimern – so stark, dass unser Afternoon Walk ins Wasser fällt. Auch die Night Safari lassen wir aufgrund der Wassermassen sausen, obwohl diese tatsächlich stattfinden soll. Laut Guide ist die Wahrscheinlichkeit bei diesen Wetterverhältnissen Tiere zu entdecken sehr gering. Wir sind also nicht die einzigen, die den Regen scheuen. Stattdessen werden wir von Alistar noch Mud zertifiziert ;). Unsere Hand wird mit Mud aus dem Vulkan eingepinselt und auf ein Zertifkat gedrückt, unser Mud-Certificate.

Es regnet jetzt seit über 9 Stunden dermaßen, dass der plätschernde Bach vor unserem Bungalow mittlerweile zu einem reißenden Fluss angeschwollen ist und unser auf Stelzen gebauter Bungalow zur Hälfte im Wasser steht. Bis das Wasser den Bungalow flutet fehlen aber noch ca. 50 cm. Mal sehen wie es sich schlafen lässt bei diesem Lärm des reißenden Flusses und dem trommelnden Regen auf dem Blechdach…

Die Nacht ist wider erwarten gut und der Fluss vor unserem Bungalow weist am Morgen auch wieder einen normalen Wasserstand auf. Nach dem Frühstück geht’s zurück nach Lahad Datu um von dort dann weiter ins Danum Valley zu fahren – eines DER Highlights unserer Reise! Dementsprechend groß ist auch unsere Vorfreude 🙂

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