Kili Trekking – Teil 1: alle Infos auf einen Blick

Spielt ihr mit dem Gedanken, wie wir den höchsten Berg Afrikas, den Kilimandscharo, zu besteigen? Dann sind euch sicher auch schon diverse Fragen durch den Kopf gegangen! Welche Route soll ich wählen? Welche Ausrüstung benötige ich wirklich? Wie bereite ich mich vor? Und kann ich es tatsächlich überhaupt schaffen? In diesem Beitrag wollen wir euch daher auf genau diese Fragen die Antworten liefern. Also viel Spaß beim lesen und viel Erfolg für euer eigenes Kili-Abenteuer!

Grundsätzlich ist eine gute Planung für eine Kilimandscharo-Besteigung super wichtig. Auch wenn der Kili rein objektiv betrachtet zwar ein vermeintlich einfacher Berg zu sein scheint, macht genau das ihn so „gefährlich“. Genau genommen ist der Kilimandscharo übrigens ein Bergmassiv mit den drei Gipfeln Shira, Mawenzi und Kibo. Der höchste Punkt ist der Uhuru Peak und befindet sich auf dem Kibo. Dieser ist mit 5.895 m über dem Meeresspiegel eben aber auch ein extrem hoher Berg und wird leider immer wieder unterschätzt. Auf dem Gipfel atmet man mit einem Atemzug nur noch die Hälfte des Sauerstoffs ein wie auf Meereshöhe. Alles ist also doppelt so anstrengend. Kein Wunder warum so viele am Kili scheitern. So wie wir es mitbekommen haben sind es rund 2/3, die nicht den Gipfel erreichen und vorher umkehren (müssen). Und leider gibt es auch jedes Jahr einige tragische Unfälle am Berg.

Die Planung ist also das A und O. Daher kommen hier jetzt die wichtigsten Infos für das Abenteuer Kilimandscharo:

  1. die Routenwahl
  2. die Ausrüstung
  3. körperliche Voraussetzungen und Vorbereitung
  4. Infos zu Höhe und Höhenkrankheit
  5. Sonstiges

1. die Routenwahl

Viele Wege führen nach Rom, oder besser gesagt auf den Kibo. Ihr habt die Wahl zwischen diversen Routen, die sich in Anspruch, Dauer, aber auch in ihrer Schönheit unterscheiden. Die „einzig wahre“ Route gibt es nicht. Wichtiger sind persönliche Entscheidungen. Seid ihr erfahrene Bergsteiger und sucht die ultimative Herausforderung, könnte die Umbwe Route die richtige Wahl für euch sein. Diese ist die direkteste Route auf den Gipfel, aber auch mit Abstand die anstrengendste und gefährlichste von allen möglichen Varianten. Möchtet ihr dagegen z.B. nicht in Zelten übernachten, so fällt die Wahl automatisch auf die Marangu Route. Nur auf dieser habt ihr die Möglichkeit in Hütten zu schlafen. Hat man Probleme mit den Knien, oder der Hüfte, findet man auf der Marangu darüber hinaus einen recht flachen An- und Abstieg vor. Landschaftlich am abwechslungsreichsten und beeindruckensten sind dagegen wohl die Routen Lemosho und Machame, zumal hier auch nicht auf der gleichen Route wieder abgestiegen wird. Dafür ist der Anstieg steiler und somit auch konditionell anspruchsvoller. Die Rongai Route ist dagegen für ihre Wettergarantie bekannt. Auf der Nord-Seite des Kili fällt halt am wenigsten Regen. Die Rongai schließt sich auf der Gipfeletappe dann mit der Marangu zusammen und nutzt diese auch für den Abstieg. Da wir gerade bei der Gipfeletappe sind, nicht ganz unwichtig bei der Routenwahl ist auch die Betrachtung dieser letzten Etappe. Auf der Marangu/Rongai dauert der Gipfelsturm rund eine Stunde länger, als auf der Lemosho/Machame. Das bedeutet eine Stunde zusätzlicher Kraftaufwand in weit über 5.000 Metern Höhe mit niedrigem Sauerstoffgehalt, ggf. eisigen Temperaturen, starkem Wind und Dunkelheit. Diese eine Stunde kann somit schnell über den Gipfelerfolg mit entscheiden. Man sollte daher bei der Routenwahl auch immer die Gipfeletappe mit betrachten und sich fragen, ob eine Übernachtung in Hütten mit einer vermeidlich bequemeren Route den längeren Gipfelaufstieg rechtfertigt.

Unsere Wahl fiel am Ende vor allem auch auf Grund des für die Höhenanpassung perfekten Routenprofils und der landschaftlichen Schönheit auf die Machame Route. Für uns auch im Nachhinein die richtige Entscheidung!

Aufstiegsrouten am Kilimandscharo

Aufstiegsrouten am Kilimandscharo (Quelle: http://kilimanjaro.bplaced.net/wiki/index.php?title=Routen%C3%BCbersicht)

2. die Ausrüstung

Im Vorfeld unserer Reise haben wir uns sehr intensiv mit der benötigten Ausrüstung beschäftigt. Vor allem für die Nächte und für die letzte Etappe rauf auf den Kili waren wir uns lange Zeit unsicher, was an Ausrüstung wirklich notwendig ist. Die Temperaturen können nämlich auf zweistellige Minusgrade fallen. Auf diversen Seiten im Netz findet man Packlisten, die zum größten Teil auch eine wirklich gute Übersicht geben (gute Packlisten an denen wir uns orientiert haben findet Ihr z.B. hier und hier). Was wir am Ende tatsächlich an Equipment für die Gipfeletappe benötigt haben, möchten wir euch an dieser Stelle kurz vorstellen.

Uhuru Peak

Uhuru Peak – Am höchsten Punkt Afrikas kann es ganz schön frisch werden.

Fangen wir mal bei den Schuhen an. Ein Paar stinknormale, aber gut eingelaufene Wanderschuhe reichen für die (Tor)Tour vollkommen aus. In der Gipfelnacht zieht man am besten zwei Paar Merino-Socken übereinander an und sollte damit auf jeden Fall schon mal warme Füße haben. Merino als Material empfehlen wir übrigens generell! Die Wolle stinkt auch nach mehreren Tagen im Einsatz nicht und erzeugt am Körper ein angenehmes Klima. Merino Thermo-Unterwäsche als Baselayer in 260er Stärke ist daher auf der Gipfeletappe eine sehr gute Wahl. Darüber hinaus eignet sich das ganze auch super als Schlafanzug im Zelt. Darüber kommt dann die Midlayer-Schicht, die der Wärmespeicherung am Körper dient. Hier verwendeten wir eine Thermo-Fleecehose, welche auch toll in den Camps getragen werden kann. Einfach mega gemütlich, kuschelig und warm! Obenrum dann entweder ein Fleece, oder ein 260er Merino Hooded Sweat. Darüber dann noch eine 750er Daunenjacke, oder ein weiteres dickes Fleece und ihr seid für den Gipfelsturm gewappnet. Gegen den Wind kam bei uns dann noch als Outerlayer eine Softshellhose und eine recht einfache Regenjacke zum Einsatz. Dünne Layerhandschuhe, sowie darüber Fäustlinge und eine Sturmhaube aus Fleece rundeten das Ganze dann ab. Auf dem Weg zum Gipfel hatten wir ca. -10°C und es war phasenweise recht windig, so dass die gefühlte Temperatur nochmal etwas drunter lag. Mit der genannten Ausrüstung haben wir zwar kaum gefroren, aber auf Grund der Höhe und vor allem der unsagbaren Müdigkeit wird einem trotzdem nicht so richtig warm in der Aufstiegsnacht. In Summe aber vollkommen ausreichend und im nächsten Skiurlaub und dem ein oder anderen Outdoor-Urlaub auch schön wieder verwendbar.

Neben den Klamotten gibt es noch ein paar ganz wichtige andere Ausrüstungsgegenstände, die ihr auf keinen Fall vergessen dürft. Da wären zum einen ganz klar Wanderstöcke! Vor allem für die fast 3.000 Höhenmeter vom Gipfel runter zum Mweka Camp einfach Gold wert. Dann benötigt ihr eine Kopflampe, die euch auf der Gipfeletappe mindestens sieben Stunden ununterbrochen den Weg leuchten kann. Auf Grund der Kälte benötigt ihr auch eine Thermoskanne auf der Gipfeletappe, sofern ihr nicht mit gefrorenem Wasser da stehen wollt. Dann unbedingt mindestens eine Energie-Bombe für die letzte Nacht aufbewahren. Als bei uns gar nichts mehr ging, lieferte die Power-Bar nochmal ein bisschen Extra-Schub, ohne den wir es vielleicht sonst nicht geschafft hätten. Für die Nächte im Zelt hatten wir eine gute luftgefüllte ISO-Matte und einen Daunen-Schlafsack (Komfortbereich -15°C) dabei. In Verbindung mit den genannten Kleidungsstücken vollkommen ausreichend.

Hier nochmal alle Artikel in der Übersicht mit Hinweis, welche Artikel wir verwendet und für gut befunden haben. Dort wo es möglich war, haben wir euch den Link zu Amazon zu den von uns verwendeten und empfohlenen Artikel eingefügt. Falls ihr über diesen Link was kaufen würdet, würden wir eine kleine Provision erhalten. Allerdings haben wir davon unbeeinflusst nur von uns tatsächlich verwendete Artikel, die uns auch nach Benutzung noch gefallen, empfohlen, wie wir sie auch unseren Freunden empfehlen würden :).

3. körperliche Voraussetzungen und Vorbereitung

Um es kurz zu machen, der Kili ist zwar ein vermeidlich einfacher Berg, der ohne bergsteigerische Erfahrung erklommen werden kann, überdurchschnittlich fit zu sein ist aber auf jeden Fall von großem Vorteil! Das liegt vor allem daran, dass mit jeden 1.000 Höhenmeter die ihr nach oben kraxelt sich eure Leistungsfähigkeit um 10% reduziert. Auf 5.000 m macht man somit doppelt so schnell schlapp wie auf Meereshöhe. Das heißt jedoch nicht, dass man einen Marathon in unter 3 Stunden absolvieren können muss, um eine reelle Chance auf den Gipfel zu haben. Wer wöchentlich Sport treibt kann auf dieser Grundlage gut aufbauen. Wer wie wir sogar mehrmals pro Woche intensiv Sport treibt, muss eigentlich noch nicht mal unbedingt Extraschichten Sport einbauen. Am Ende des Tages müsst ihr in der Lage sein mehrere Tage in Folge ca. 6 Stunden am Stück den Berg hoch zu wandern (am Gipfeltag sogar ca. 14 Stunden, 7 Std. hoch und 7 Std. runter).

Die ersten Etappen sind dabei noch wirklich harmlos. Mit zunehmender Höhe wird es zwar anstrengender, aber sofern ihr gut akklimatisiert seid, bleibt es immer noch machbar. Spätestens auf der Gipfeletappe wird die Luft dann aber deutlich dünner. Körperliche Fitness ist halt leider nur die halbe Miete. Die Höhe ist nämlich ein weiterer großer Faktor und kann einem ganz schön zu schaffen machen. Jeder Mensch reagiert verschieden in der Höhe. Ab 3.000 m kann es bereits zur Höhenkrankheit kommen und dabei spielt der Fitnessgrad einfach überhaupt keine Rolle (mehr dazu im Kapitel „Höhe und Höhenkrankheit“). Der dritte Faktor ist die mentale Stärke. Vor allem auf den letzten Metern zum Kraterrand benötigt man einfach einen eiserner Willen. Körperlich geht aufgrund der Höhe nämlich irgendwann gar nichts mehr, egal wie fit man ist. Es beginnt ein Kampf mit sich selber und das über Stunden. Genug Zeit um sich neu kennen zu lernen… Wir waren im Nachhinein sehr beeindruckt was noch alles geht, wenn eigentlich nichts mehr geht!

Zusammenfassung der Voraussetzungen:

  • überdurchschnittliche Fitness, Marathon-Läufer müsst ihr aber bei weitem nicht sein
  • gute Höhenverträglichkeit (genetisch veranlagt), und/oder gerade deshalb gute Akklimatisierung am Berg wichtig (evtl. Extra-Tag einplanen)
  • mentale Stärke und eiserner Wille für den Kampf gegen Müdigkeit, Kälte und Dunkelheit auf der Gipfeletappe
  • etwas Glück kann natürlich nie schaden 🙂

4. Höhe und Höhenkrankheit

Das wichtigste vorab. Die Höhenkrankheit kann jeden treffen! Alte Menschen sind ebenso häufig betroffen wie jüngere, Männer ebenso oft wie Frauen, Sportler nicht seltener als Untrainierte. Unter der Höhenkrankheit versteht man die Unfähigkeit eines Menschen sich an den Sauerstoffmangel in große Höhen anzupassen. Die ersten Anzeichen dafür sind immer Kopfschmerzen in Verbindung mit weiteren Symptomen wie z.B. Übelkeit, Schlaflosigkeit oder einem erhöhten Ruhepuls von über 20 %. Das Ganze kann schon ab einer Höhe von 2.500 m auftreten. Ignoriert man die Warnsignale des Körpers und steigt trotzdem weiter auf, kann es gefährlich werden. Im schlimmsten Fall erkrankt man an einem Lungen- oder Höhenhirnödem und schwebt dann in akuter Lebensgefahr! Hier hilft dann nur noch schnellstmöglich vom Berg runter zu kommen, oder die Nummer kann ganz schnell böse ausgehen!

Wie kann man sich also schützen?

Grundsätzlich wird von vielen Experten empfohlen ab 2.500 m die Schlafhöhe täglich nicht mehr als um 300-500 Höhenmeter nach oben zu verlegen. Das Routenprofil am Kili beinhaltet aber mehrere Tagesetappen, bei denen 1.000 hm überwunden werden müssen. Wichtig ist es daher sehr, sehr langsam aufzusteigen, um seinen Körper die erforderliche Zeit zugeben, sich an die veränderten Bedingungen anzupassen. Vor allem den Sportlern unter Euch sei gesagt, dass aufgrund der vorhandenen Fitness und des sportlichen Ehrgeizes die Gefahr dies genau nicht zu tun schon mal eher vorhanden ist. Eventuell ein Grund warum Sportler tatsächlich häufiger am Kili scheitern.

Die Anpassung des Körpers an die Höhe nennt man Akklimatisation. Bis in eine Höhe von 5.500 m ist diese theoretisch vollständig möglich. Das heißt euer Körper ist in der Lage bis in diese Höhe den Sauerstoffmangel auszugleichen. Wie lange der Körper aber dafür braucht ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Fakt ist aber, je höher man hinaus will, desto langwieriger ist der Prozess. Wer sich also mehr Zeit für den Aufstieg nimmt und dadurch besser akklimatisiert, erhöht seine Chancen den Gipfel zu erreichen enorm. Daher empfehlen wir neben dem langsamen Aufstieg auch auf jeden Fall einen extra Akklimatisierungstag einzulegen. Auf der Machame Route bedeutet dies, dass ihr aus der klassischen 6-Tages-Tour eine 7-tägige Variante machen solltet! Die Etappe vom Barranco Camp zum Barafu Basecamp wird dann geteilt und man hat eine zusätzliche Nacht im Karanga Camp. Dieses liegt einmal mehr auf knapp 4.000 m Höhe. Aus einem Tagestrek mit 9 Kilometern Länge und 8 Stunden Gehzeit werden somit zwei Halbtagestouren. Zeit genug, um zu regenerieren und sich auch mental auf die Gipfeletappe vorzubereiten. Bei der 6-tägigen Variante kommt ihr gegen späten Nachmittag erschöpft im Basecamp an, um dann ein paar Stunden später schon wieder zur mit Abstand härtesten Etappe aufzubrechen!

Zusammenfassung:

  • Hört auf euren Körper und seid ehrlich zu euch! Falscher Ehrgeiz kann böse enden! Nutzt die Lake Louise Score Card zur Selbsteinschätzung.
  • Trinkt überdurchschnittlich viel. Das macht das Blut dünner und sorgt so dafür, dass die Sauerstoffversorgung im Körper besser funktioniert.
  • Pole Pole!!! Die Wanderungen unbedingt sehr, sehr langsam angehen! Hört hier unbedingt auf euren Guide.
  • Extra-Akklimatisierungstag buchen! Dies erhöht die Gipfel-Chancen überproportional.
  • Die Sauerstoffsättigung im Blut ist ein guter Indikator für eine drohende Höhenkrankheit. In einer Höhe von 4.700 m hatten wir Werte von 85%. Unser Guide war damit sehr zufrieden.

5. Sonstiges kurz und knapp

  • Gute Regenkleidung mitnehmen! Es bestehen kaum Möglichkeiten nasse Klamotten wieder trocken zu bekommen.
  • Das Essen ist phantastisch und sehr abwechslungsreich. Macht euch also keine Sorgen zu verhungern.
  • Egal ob Guide oder Porter (Träger) – alle freuen sich am Ende der Tour über ausrangierte Outdoor-Artikel.
  • Bucht unbedingt ein Zelt mit kleinem Vorzelt! Dort könnt Ihr Rucksäcke und eure Klamotten lagern bzw. trocknen.

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