Karijini Nationalpark: auf Entdeckungstour im Herzen Westaustraliens

„Wer nicht im Karijini Nationalpark war, hat Westaustralien nicht gesehen“. So hört man es zumindest immer wieder. Das Problem – der Nationalpark liegt abgeschieden, tief im Herzen des westaustralischen Outbacks. Wir wollten wissen, ob sich die lange Anreise tatsächlich lohnt und verbrachten 3 aufregende Tage fernab der Zivilisation.

Der Karijini Nationalpark ist genau so, wie man sich den australischen Busch vorstellt: Wild, abgelegen und rostrot. Vor allem aber ist er traumhaft schön! Die trockene, rote Hügellandschaft wird durchzogen von Flussläufen, die sich über Jahrmillionen bis zu 100 Meter tief in den Fels geschnitten haben. Unten in den steilen Schluchten wachsen entlang der kleinen Wasseradern Eukalyptus-Bäume und Gräser. Naturpools laden zu einem erfrischenden Bad ein und Wasserfälle machen die Idylle perfekt. Hört sich paradiesisch an – ist es auch!

Anfahrt

Um den Karijini zu erreichen, liegen aber erst einmal etliche Kilometer Autofahrt vor Euch. Von Exmouth aus sind es immerhin mehr als 700 km – und das durchs absolute NICHTS. Trotzdem ist die Fahrt durch die Pilbara landschaftlich sehr sehenswert. Unser Tipp: Ein oder besser mehrere Hörbücher verkürzen die Fahrzeit gefühlt enorm.

Karijini NP Anfahrt durchs Outback

Karijini NP – Anfahrt durchs Outback

Wenn ihr nicht in einem durchfahren möchtet, könnt ihr entweder nach 280 km am Nanutarra Roadhouse, oder nach weiteren 180 km an der sehr empfehlenswerten Cheela Plains Station übernachten. Alternativ besteht in Western Australia auch immer die Möglichkeit gratis auf einem der 24h Restareas entlang der Hauptstraße die Nacht zu verbringen. Dies ist übrigens viel weniger unheimlich als gedacht, weswegen wir diese Option beim nächsten Mal wohl deutlich öfters wählen werden.

Knapp 100 km hinter der Cheela Plains Station erreicht ihr schließlich als ersten und auch letzten Ort auf dem Weg zum Karijini die Bergarbeitersiedlung Paraburdoo. Da die N136 hinter der Abzweigung nach Paraburdoo zu einer Dirt Road wird, bleibt euch ohne allradgetriebenes Fahrzeug der vermeintlich kürzere Weg über Tom Price verwehrt. Die 40 Extra-Kilometer machen den Braten andererseits aber auch nicht mehr fett 😉

Wichtig! In Paraburdoo solltet ihr unbedingt eure Vorräte und auch nochmals den Tank auffüllen. Auf den abschließenden 160 km und auch im Park selber gibt es nämlich nichts außer Natur pur!

Im Park

Der Karijini ist mit über 6.000 km² Fläche der zweitgrößte Nationalpark Australiens! Um diesem wahrlich grandiosen Naturerlebnis gerecht zu werden, benötigt ihr mindestens 3 Tage! 3 Tage die einem schlicht den Atem rauben! Der Karijini gilt nicht umsonst als einer der spektakulärsten und zugleich schönsten Nationalparks der Welt!

  • Hancock & Weano Gorge – wild, spektakulär & abenteuerlich

Von Tom Price bzw. Paraburdoo kommend erreicht Ihr zunächst den westlichen Parkabschnitt um die Hancock & Weano Gorge. Dazu erfolgt die Anfahrt auf den letzten knapp 12km über eine Dirtroad. Am Parkplatz angekommen habt ihr die Qual der Wahl. Erst die atemberaubenden Aussichten des Oxer und Junction Pool Lookouts bestaunen, oder direkt hinab in die Tiefe steigen, dem Ruf des Abenteuers folgend.

Karijini NP Oxer Lookout

Karijini NP – Oxer Lookout am späten Abend

Unser Tipp: Wer sich die Lookouts für den späten Abend aufbewahrt und tagsüber in die Schluchten steigt, kommt nicht nur in den Genuss eines unglaublichen Farbenspiels zum Sonnenuntergang, sondern entgeht „oben“ auch den heißen Tagestemperaturen!

Wir steigen also zunächst die steilen Treppen hinab in die Hancock Gorge. Die Highlights hier sind der Spyder Walk und am Ende der Schlucht Kermits Pool. Der Hike ist mit Class 5 ein Hike der höchsten Kategorie. Dies bedeutet, dass Kletterpartien genauso dazu gehören, wie kleinere Schwimmeinlagen 😉 In Summe einfach eine unglaubliches Abenteuer, bei dem das erfrischende Bad im Kermits Pool dem Ganzen lediglich die Krone aufsetzt. Der Weg zurück ist der Gleiche und auch die Treppen müsst ihr wieder hoch. In Summe beträgt der Zeitbedarf ca. 2-3 Stunden.

Hancock Gorge Trail Karijini NP

Hancock Gorge Trail im Karijini NP

Der Trail in die Weano Gorge ist mit Class 4-5 nicht minder anspruchsvoll. Die üblichen gefühlt tausend Treppstufen hinab und danach eine tolle kurze Wanderung durch die Schlucht. Kurz vorm Ziel muss man noch durch einen ziemlich schmalen Canyon, der uns etwas an den Antelope Canyon in Arizona erinnert hat. Dahinter beginnen dann auch die namensgebenden Handrails. Dieses Stück ist etwas tricky. Gut Festhalten ist also angesagt, bevor man schlussendlich zum Handrail Pool gelangt. Der Pool selber lädt zum Verweilen, sowie natürlich zum Erfrischen ein. Zeitbedarf ca. 1-2 Stunden.

Handrail Pool Trail Karijini NP

Slot Canyon kurz vor dem Handrail Pool – Karijini NP

  • Dales Gorge – sanft, ruhig & wunderschön

Die Dales Gorge liegt ein gutes Stück weiter östlich im Park und definiert den einzigen Abschnitt im Karijini, der durchgehend über asphaltierte Straßen zu erreichen ist. Insgesamt 85km beträgt die Distanz zwischen der Hancock bzw. Weano Gorge bis hierher. Wer mit einem 4WD unterwegs ist, kann über eine Dirtroad abkürzen und kommt dann auf ca. die Hälfte.

Insgesamt ist die Dales Gorge der deutlich sanftere und ruhigere Parkteil, dabei aber nicht weniger spektakulär und ebenso wild und wunderschön. Die Highlights hier: Fortescue Falls, Fern Pool, Circular Pool und der Dales Gorge Lookout.

Die verschiedenen Sehenswürdigkeiten sind direkt vom angrenzenden Campingplatz fußläufig zu erreichen und können auf einem Rundweg erkundet werden. Dazu steigt ihr zunächst die Treppen zu den Fortescue Falls hinab, habt dort die Option den kleinen Abstecher zum Fern Pool zugehen, um dann durch die Dales Gorge bis zum Circular Pool zu wandern. Dort den steilen Weg wieder hinauf zum Dales Gorge Lookout und entlang der Abbruchkante der Gorge zurück zum Parkplatz. Insgesamt ein sehr abwechslungsreicher Walk, der mit einer Schwierigkeit von bis zu Class 4 phasenweise anspruchsvoll ist.

Karijini NP Lookout

Karijini NP – Dales Gorge Lookout

Wer sich Zeit lässt und auch das ein oder andere Bad in den Pools genießen möchte, benötigt ca. 4 Stunden für den Rundweg.

Auch für die Dales Gorge gilt – Die Abwechslung aus Lookouts, abenteuerlicher Wanderung durch die Schlucht und Abkühlung in den Naturpools ist einfach sensationell!

  • Hamersley Gorge – abgelegen & fotogen

Die Hamersley Gorge ist der Ort mit dem wohl berühmtesten Fotomotiv im ganzen Karijini NP – dem Spa Pool. Wer dieses Foto machen möchte, benötigt aber zwangsläufig einen 4WD. Anders ist der Parkbereich nicht zu erreichen. Entweder seid ihr also mit einem Allrad unterwegs, oder ihr bucht euch z.B. eine Tour bei Pete West Flying Sandgroper.

Unser Tipp: Nur im australischen Sommer/Herbst führt der kleine Wasserfall am Pool ausreichend Wasser, um das berühmte Foto schießen zu können. Wir hatten uns im Oktober auf Anraten von Pete gegen diesen Ausflug entschieden.

Camping

Der klassische Besucher kommt in der Regel mit seinem Camper zum Karijini und bucht sich auf dem Tom Price Tourist Park in Tom Price, oder direkt im Nationalpark auf dem Dales Campground, bzw. dem Karijini Eco Retreat ein.

Was die bessere Option ist, hängt von euren Bedürfnissen ab. In Tom Price gibt es auf jeden Fall Einkaufsmöglichkeiten, sowie Restaurants. Des Weiteren habt ihr dort Handy-Empfang und auch Strom (z.B. für die Klimaanlage eures Campers). Dafür beträgt die Entfernung zu den Sehenswürdigkeiten im Park mindestens 90km.

Karijini Eco Retreat Camping

Camping im Outback – Karijini Eco Retreat

Wer dagegen im Park übernachtet verzichtet bis auf saubere WC-Anlagen und Duschen auf alle Annehmlichkeiten der Stadt, erlebt dafür aber das absolute Outback-Feeling, spektakuläre Sonnenuntergänge, einen Sternenhimmel wie ihr ihn wahrscheinlich noch nie gesehen habt und vor allem kurze Wege zu den Sehenswürdigkeiten. Im Park bist du wirklich mitten in der Natur und ganz nah dran! Am Ende liegt die Entscheidung ganz bei Euch…

Sonstige Informationen

Hier noch einige nützliche Informationen für euch.

  1. Die Wasserfälle im gesamten Park führen im australischen Sommer/Herbst am meisten Wasser und sind dadurch deutlich spektakulärer. Im September/Oktober/November dagegen sind es mehr kleine Rinnsale.
  2. Solltest du im Park auf eine freiliegende Asbestader (blau) treffen, halte dich von diesen fern!
  3. Drybags können ein hilfreicher Begleiter auf den Wanderungen in den Schluchten sein. An einigen Stellen müsst ihr nämlich tatsächlich schwimmen! Mit einem Drybag könnt ihr eure Wertsachen dann trocken transportieren.
  4. Der Karijini ist auch bekannt für seine prächtigen Wildblumen. Im australischen Winter/Herbst kommt man in den Genuss des überwältigenden Farbenmeers.
  5. Im Park gibt es keinen Handyempfang!
  6. Nehmt immer genug Trinkwasser mit auf eure Wanderungen!
  7. Von Tom Price aus werden geführte Touren in die unterschiedlichen Parkbereiche angeboten. Abseiling, Canyoning, Foto-Tours, oder einfach geführte Wanderungen durch die Gorges – die Auswahl ist enorm!
  8. Parkgebühren: 12AUD pro Tag und Fahrzeug, alternativ bietet sich auf einer Rundreise durch Western Australia der Western Australia Park Pass an. Für 60AUD erhaltet ihr für 4 Wochen uneingeschränkten Zutritt zu allen Nationalparks.
Karijini NP Wildflowers

Wildblumen im Karijini NP

Fazit

Der Karijini Nationalpark ist ein magischer Ort, der auf den ersten Blick so unwirtlich wirkt, auf den zweiten aber doch so unfassbar viel zu bieten hat. Es gibt nicht viele Orte auf der Welt, an denen die Sehnsüchte eines jeden Abenteurers zu 100% gestillt werden können. Der Karijini gehört definitiv dazu! Auf die anfängliche Frage, ob sich die lange Anreise wirklich lohnt, gibt es aus unserer Sicht daher nur eine mögliche Antwort: Ja und zwar zu 100%!

Karijini NP Drybag

Karijini NP – Ein Paradies für Abenteurer

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