durch den Westen Kanadas

Wer auf der Suche nach unberührter Natur und Wildtierbeobachtungen zu Land und auf dem Wasser ist, dazu aber den westlichen Komfort nicht missen möchte, sollte sich unsere Reise von 2015 mal genauer ansehen. Der Westen Kanadas besticht einfach durch eine unvorstellbar imposante Szenerie. Hier ist der Mensch noch Gast und die Welt scheint noch in Ordnung. Unsere Reise führte uns durch die berühmten kanadischen Nationalparks Banff und Jasper, weiter zum Wells Gray Provincial Park, welcher sich vor den „Großen“ nicht zu verstecken braucht und abschließend zum Olympia-Ort Whistler. Was die Highlights entlang der Route sind, was Ihr nicht verpassen dürft und was gut zu wissen ist, lest Ihr in unserem Reisebericht.

das Wichtigste zu erst – Bear Spray!

Kanada ist Bären-Land. Egal wo findet Ihr immer Hinweise oder Bärenwarnungen. Ein Schwarzbär kann unangenehm sein, einen Grizzly will man gar nicht erst treffen. Um für den Fall der Fälle gewappnet zu sein, sollte Eure erste Aktion nach Ankunft in Kanada direkt der Kauf eines Bear-Sprays sein. Wir haben es (zum Glück) am Ende zwar nicht benötigt, fühlten uns auf unseren Wanderungen aber definitiv sicherer damit. Also organisiert Euch als erstes ein Bear-Spray!

Banff Nationalpark – Lake Louise & Moraine lake

Wir starten in Canmore und fahren anstatt über den Highway 93 lieber über den parallelverlaufenden und viel sehenswerteren Bow Valley Parkway nach Lake Louise. Hier sollte man sich dann nicht von den Menschenmassen am Parkplatz abschrecken lassen. Lake Louise ist nun mal eine der TOP-Sehenswürdigkeiten in West-Kanada. Wir haben eine schöne Wanderung zum Teahouse am Lake Agnes gemacht. Tipp: Wenn man einen Rundweg und auch etwas fernab der Menschenmassen wandern möchte, kann man statt direkt den Lake Agnes Trail zum Teahouse auch einen sehr schönen Rundweg daraus machen. Entlang des Lake Louise bis zum Ende des Sees Richtung Plain of Sixth Glacier, bei der ersten Gelegenheit ein Stück hinter dem See (nach 3,3 ebenen km) einen kleinen relativ steilen Pfad nach oben (1,1 km), an der T-Kreuzung rechts abbiegen und den Schildern zum Lake Agnes für weitere 2,4 km folgen. Auf dem Weg dorthin haben wir nach dem Abbiegen keine Menschenseele getroffen und die Aussicht auf Lake Louise ist enorm. Den Rückweg dann direkt über den Lake Agnes Trail (3,4 km), der einfacher zu gehen ist und auf dem wesentlich mehr Menschen unterwegs sind. So hatten wir aber beides und vor allem eine Rundweg. Die Gesamtlänge beträgt 10,2 km und dauert ca. 2,5 – 3 Std. hoch zum Teahouse und weitere 1 – 1,5 Std. bergab zurück zum Parkplatz. Den beschriebenen Weg kann man auf der Banff Wanderkarte nachvollziehen. Die Zeitangaben gelten nur grob, da wir die tatsächlich benötigte Zeit nicht mehr genau wissen). Die Wanderung und das Teahouse sind mit tollen Ausblicken wirklich lohnenswert. Allerdings ist das Teahouse zur Mittagszeit brechend voll und es kann schwierig sein dort einen Platz zu bekommen. Auch darf man dort keinen Luxus erwarten. Es handelt sich um eine urige Berghütte ohne fließend Wasser. Dort gibt es, wie der Name vermuten lässt, eine große Auswahl Tee und ein paar Leckereien (Süppchen usw.). Wenn das Wetter mitspielt unbedingt auch einen Abstecher mit dem Auto zum Moraine Lake und den kurzen Hike (ein paar Hundert Meter) zum Rockpile Viewpoint machen! Von hier könnt Ihr das bekannte Postkarten-Motiv ablichten…

der Icefields Parkway

Es geht weiter über den Icefields Parkway – wie die N93 in den beiden Nationalparks Banff und Jasper auch heißt – in Richtung Norden. Und ab Lake Louise ist die Szenerie einfach ein Brett! Der Highway gilt daher unserer Meinung zu Recht als eine der schönsten Fernstraßen der Welt. Auf den rund 230 Kilometern reihen sich neben den immer wieder atemberaubenden Ausblicken auf die Bergwelt zahlreiche Sehenswürdigkeiten aneinander. Daher solltet Ihr für die Fahrt von Lake Louise nach Jasper auf jeden Fall einen ganzen Tag einplanen, um Euch alles in Ruhe ansehen zu können. Erstes Highlight ist der Peyto Lake, welcher bekannt für seine auffällig türkise Farbe ist. Ein kleiner Hike führt vom Parkplatz zu einem sensationellen View Point! Weiter geht’s mit dem Columbia Eisfeld. Hier könnt Ihr eine Bustour auf den Athabasca Gletscher unternehmen, oder Euch im Visitor Centre ausführlich über die Gletscher Kanadas informieren. Nächster Halt ist der Sunwapta Pass. Am View Point habt Ihr ein mal mehr eine atemberaubende Aussicht auf den Icefields Parkway. Gleichzeitig markiert der Pass den Übergang vom Banff zum Jasper Nationalpark. Zwei weitere tolle Zwischenstopps bevor Ihr in Jasper ankommt sind die Sunwapta und vor allem die Athabasca Falls. Insgesamt ist die Fahrt über den Icefields Parkway einfach nur spektakulär und somit absolutes Must-DO auf einer West-Kanada-Rundreise.

Jasper Nationalpark – Maligne Canyon & Angel Glacier

Seid Ihr dann in Jasper angekommen, benötigt ihr am besten einen weiteren ganzen Tag, um noch weitere Sehenswürdigkeiten im Nationalpark zu erkunden. Auf jeden Fall zu empfehlen ist die Fahrt zum Mount Edith Cavell. Vom Parkplatz führt ein kleiner Hike bis zum Pond unterhalb des Berges. Von hier aus hat man eine spektakuläre Aussicht auf den Gipfel und den Angel Glacier. Immer wieder stürzen Lawinen hinunter in den Pond und erzeugen dabei eine unfassbare Geräuschkulisse. Bei unserem Besuch wurde am Parkplatz übrigens vor Grizzlys gewarnt. Also habt immer euer Bear-Spray dabei…

Ein weiteres Highlight des Jasper Nationalparks ist eine Wanderung durch den Maligne Canyon.  Wer den rechten Zugang (Parkplatz) wählt, erreicht nach kurzer Zeit die zweite von insgesamt sechs Brücken. 50m über dem Maligne River hat man von hier eine sensationelle Aussicht in den Canyon. Ausbuchtungen in den Felswänden zeugen dabei vom ehemaligen Wasserstand. Die meisten Besucher drehen hier schon wieder um. Es lohnt sich aber durchaus – wie wir – weiter bis zur 5ten Brücke zu gehen. Abseits des Trubels kann man die tolle Landschaft fast ganz alleine genießen. Bis zur 5ten Brücke und zurück sind es ca. 5km für die man ungefähr 2 Stunden benötigt.

Einen Abstecher wert sind auch die diversen Seen in unmittelbarer Umgebung. Patricia Lake, Pyramid Lake und Maligne Lake bieten eine fantastische Bergkulisse. Wir hatten Glück und konnten zum Sonnenaufgang am Patricia Lake ein Foto machen, dass mittlerweile nicht nur als Beitragsbild für diesen Artikel dient, sondern zusätzlich auch unser Eßzimmer verschönert.

Wells Gray Provincial Park – Wasserfälle ohne Ende

Heute geht es weiter über den Yellowhead Highway zum Wells Gray Provincial Park in Britisch Columbia. Nach gut einer Stunde Fahrtzeit lohnt sich jedoch zunächst eine kurze Pause am Mount Robson Visitor Centre, um einen Blick auf den mit 3.954m höchsten Berg der kanadischen Rockies zu erhaschen. Wer einen Extra-Tag zur Verfügung hat, könnte diesen hier bestens verbringen. Es gibt zahlreiche Wanderwege, sowie diverse Picknickbereiche. Unterkünfte gibt es im nahegelegenen Örtchen Tete Jaune Cache. Wir fahren aber weiter bis Clearwater, um von dort in Richtung Wells Gray PP abzubiegen. In Clearwater übrigens unbedingt nochmal volltanken 😉 Durch die Distanzen im Park waren wir mit halben Tank sehr schnell auf Reserve.

Wir wohnen 2 Nächte bei einem deutschen Pärchen, das vor einigen Jahren nach Kanada ausgewandert ist. Die beiden haben sich eine tolle neue Heimat ausgeguckt. Die Unterkunft Moul Creek Lodge ist einfach klasse und ist ein super Ausgangspunkt für Ausflüge in den Park! Für Abends empfehlen wir zumindest einmal das angebotene BBQ von Marion & Michael mit frischem Lachs zu buchen – Weltklasse!

Wells Gray ist bekannt für die vielen Wasserfälle. Mit den beeindruckenden Helmcken Falls, die aus einer Höhe von 141m in die Tiefe stürzen, besitzt der Park die viert höchsten Fälle Kanadas. Darüber hinaus gibt es mit den Dawson & Spahat Falls zwei weitere sehenswerte Fälle. Alle sind relativ einfach zu erreichen. Es gibt diverse Wanderwege, von denen wir Bailey’s Chute und Ray’s Farm empfehlen können. Insbesondere im August und September, zur Zeit der Lachswanderung, kann man diese an Bailey’s Chute springen sehen. Der Hike zu Ray’s Farm ist etwas für Puristen. Auf der etwa zweistündigen Wanderung über Stock und Stein haben wir keine Menschenseele getroffen. Auch hier gilt es immer das Bear-Spray parat zu haben, denn Schwarzbären sind Stammgäste auf dieser Wanderung. Zwar kommen wir nicht in diesen „Genuss“, aber gefühlt hätte jede Sekunde ein Bär aus dem Gebüsch springen können. Sehr aufregende Erfahrung. Wir sind halt in der Wildnis Kanadas und das macht mächtig Bock 🙂 Uns gefällt der Wells Gray wirklich sehr sehr gut. Vielleicht auch, weil es immer noch eine Art Geheimtipp scheint. Viele Touristen treffen wir hier nicht und genau das macht den Wells Gray auch aus.

Sternenhimmel

Ein kleiner Tipp am Rande. Vor allem in den Bergen ist die Lichtverschmutzung durch Städte quasi nicht vorhanden. Beste Voraussetzungen um den Sternenhimmel zu beobachten. Ihr könnt sogar die Milchstraße mit bloßem Auge erkennen und wunderbar fotografieren. Ihr benötigt dafür ein möglichst lichtstarkes Weitwinkel-Objektiv, einen hohen ISO-Wert und eine maximale Belichtungsdauer von 25 Sekunden. Natürlich muss die Kamera auf einem stabilen Stativ montiert werden und einen Fernauslöser braucht ihr auch! Dafür entschädigen die Bilder für den Aufwand…

Whistler

Wir fahren weiter nach Whistler. Der Olympiaort von 2010 ist ganz nett, mehr aber auch nicht. Ein klassisches nordamerikanisches Retortendorf halt, in dem es unzählige Sportgeschäfte, Bars und Restaurants gibt. Natürlich gibt es darüber hinaus auch zahlreiche Möglichkeiten den Tag zu verbringen – man soll auch hier toll wandern können. Aber hey, man kommt gerade aus der absoluten Wildnis und fühlt sich in Whistler doch eher zurück in der Zivilisation. Nach wandern ist einem da nicht so sehr. In unseren Augen wird es hier erst im Winter zur Skisaison so richtig interessant. Whistler-Blackcomb gehört zu den Top-Adressen in Nordamerika. Trotz all der Hotelburgen gilt aber auch in Whistler: „Beware of Bears“. Und tatsächlich sehen wir am Stadtrand unseren ersten Schwarzbären. In Summe genügt es einmal durch Whistler zu schlendern und sich noch die olympischen Ringe am Olympic Plaza anzusehen. Danach geht’s ab ins Bett, um am nächsten Tag über den Sea-to-Sky Highway nach Horseshoe Bay zu fahren und von dort mit der Fähre weiter nach Vancouver Island überzusetzen. Den Bericht dazu findet ihr hier…

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