Alaska Kreuzfahrt

Eine Durchquerung der landschaftlich reizvollen Inside-Passage stand schon immer ganz oben auf unserer Bucketlist. Klassisch integriert man diese in eine West-Kanada-Tour, indem man von Vancouver Island nach Prince Rupert per Autofähre „übersetzt“. Eine weitere Option stellt jedoch eine Alaska-Kreuzfahrt ab Vancouver dar. Mit dieser 1-wöchigen Erweiterung bietet sich z.B. die Möglichkeit den Glacier Bay Nationalpark mit einzubinden. Auch wenn wir eigentlich immer einen großen Bogen um Pauschalurlaube machen, gab vor allem genau diese Erweiterungsmöglichkeit den entscheidenden Ausschlag sich das erste Mal in einer Kreuzfahrt zu versuchen. Ob es uns gefallen hat, und wir nun doch Pauschaltouristen geworden sind, lest Ihr in unserem Reisebericht.

Tag 1: Inside Passage

Es geht los! Unser Schiff, die Norwegian Sun, verlässt pünktlich den Canada Place in Vancouver und nimmt Kurs auf die Inside Passage. Den nächsten Tag werden wir somit komplett auf See verbringen. Und genau davor haben wir eigentlich am meisten „Sorge“. Mehr Pauschalurlaub geht in unseren Augen nicht. „Gefangen“ auf einem riesigen schwimmenden Hotel mit mehr als 2000 weiteren Menschen an Board, die sofort den Kampf um die besten Liegen aufnehmen und sich am Buffet die Teller vollmachen. DIE absolute Horrorvorstellung für uns…

Umso erfreulicher, dass wir beim Rundgang über das Deck genau das Gegenteil feststellen. Vielleicht liegt es an den Temperaturen, denn bei 15°C liegt nun mal keiner im Bikini auf dem Sonnendeck und draußen essen möchte anscheinend auch niemand. In den kommenden Tagen soll es nicht unbedingt wärmer werden. Es geht halt volle Kraft in Richtung Norden – nach Alaska – the last Frontier wartet auf uns!

Wir suchen uns ein nettes Plätzchen und genießen die Fahrt durch die Inside Passage, denn anders als bei anderen Kreuzfahrten ist hier der Weg das Ziel! Die Magie dieser spektakulären Küstenlandschaft ist phänomenal! Immer wieder begleiteten Delfine das Schiff und spielen in der Bugwelle. Dann sehen wir Wale und zwar so weit das Auge reicht! Es müssen hunderte sein und das ist definitiv NICHT übertrieben. Auch das Wetter spielt mit. Wir verbringen den ganzen Tag auf Deck! Die Inside Passage hat uns voll in ihren Bann gezogen! Genau so haben wir uns das vorgestellt. Das wir auf einem Kreuzfahrtdampfer unterwegs sind haben wir schon längst vergessen!


Tag 2: Juneau

Unseren ersten Landgang unternehmen wir in Juneau. Alaskas Hauptstadt ist ausschließlich per Flugzeug, oder Schiff zu erreichen. Eine Straßenanbindung gibt es nicht. Hinter der Stadt befindet sich nur die pure Wildnis! Uns wird bewusst, dass Alaska immer noch zu den unberührtesten Regionen unseres Planeten gehört. Auf dem Programm steht heute die Besichtigung des Mendenhall Gletschers etwas außerhalb der Stadt. Anstatt eine teure Tour auf dem Schiff zu buchen, nehmen wir den Ausflug in Eigenregie in Angriff. Dies spart vor allem eine Menge Geld. Wir bezahlen trotzdem noch 35$ pro Kopf und fahren mit einem Bus-Shuttle in 30 Minuten zum Visitor Centre. Es regnet in Strömen, oder wie der Einheimische zu sagen pflegt „jede Menge Liquid Sunshine“. Trotzdem laufen wir zu den Aussichtspunkten und machen ein paar schöne Bilder. Der Hike bis an den Gletscher ran ist wegen aktueller Grizzlybär-Warnung gesperrt. Schade. Da wir uns aufgrund des Wetters auch die Fahrt mit der Mt. Roberts Tramway sparen, schlendern wir stattdessen noch etwas durch Juneau. Viel gesehen hätten wir von oben wohl eh nicht. Trotzdem sammeln wir tolle Eindrücke in Juneau und gehen später zufrieden zurück zum Schiff.


Tag 3: Skagway

Nächster Halt ist Skagway, quasi nur ein Katzensprung von Juneau entfernt. Hier heißt es sich auf die Spuren des legendären Klondike Goldrushes zu begeben. Skagway war im 19 Jahrhundert Anlaufstelle für viele Goldsucher. Damals lebten hier noch ca. 40.000 Menschen. Heute hat das Städtchen noch ca. 850 Einwohner. Die Hauptattraktion ist eine Fahrt für ca. 200$ mit der berühmten White Pass and Yukon Railway bis zur Kanadischen Grenze. Mit an Board dann aber so ziemlich alle Gäste der Kreuzfahrt. Wir entscheiden uns daher bewusst dagegen und wählen einmal mehr die individuelle Lösung. Wir laufen durch den Ort und mieten einen Jeep Wrangler, mit dem wir uns auf eigene Faust auf den Weg in Richtung Yukon machen. Das Schöne daran, wir können anhalten wann immer wir wollen und haben unsere Ruhe vor den Menschenmassen. Der Jeep kostet ebenfalls etwas über 200$ für einen Tag. Ziemlich happig, aber es lohnt sich allemal. Vor allem weil wir nicht wie der Zug nur bis zum White Pass fahren, sondern weiter über die Grenze bis Carcross im Yukon. Knapp hinter der Grenze reißt dann auch der Himmel auf und wir bekommen das tolle Farbenspiel des Indian Summers geboten. Alleine diese Erfahrung ist unbezahlbar! Immer wieder halten wir an und machen tolle Bilder. Die Gäste im Zug dürften dagegen nur wolkenverhangene Berge gesehen haben. Wir haben also alles richtig gemacht und erleben einen tollen Ausflug!


Tag 4: Glacier Bay NP

Heute geht es auf zu einem der absoluten Highlights der Kreuzfahrt. Der Glacier Bay Nationalpark ruft und wir können es gar nicht erwarten endlich in die Bucht einzufahren. Am Eingang sammeln wir noch schnell 2 Ranger ein, welche uns den ganzen Tag mit einem ausführlichen Programm unterhalten werden. Dann gleiten wir auch schon durch das spiegelglatte Wasser der Glacier Bay. Wir fahren zunächst ins Tarr Inlet. Hier machen wir in unmittelbarer Nähe zum gigantischen Margerie Gletscher halt. Der Captain vollführt vor der 75m hohen Abbruchkante 3 ganze Drehungen, so dass jeder auf dem Schiff mehrmals einen guten Blick auf das Spektakel hat. Immer wieder brechen Eisblöcke so groß wie Busse ab und erzeugen dabei einen Sound den wir wohl so schnell nicht vergessen werden! Kalbende Gletscher sind halt ein ganz besonderes Naturschauspiel. Dazu zeigt sich Alaskas Wetter von seiner guten Seite und lässt die Eismassen bläulich glitzern.

Nächster Halt ist der John Hopkins Gletscher im gleichnamigen John Hopkins Inlet. Wir können aufgrund der vielen Eisberge, die hier herum treiben, leider nicht ganz so nah an den Gletscher haran, bekommen dafür aber eine atemberaubenden Szenerie geboten. Blauer Himmel und Sonnenschein ist hier wohl nicht wirklich üblich. Über dem Gletscher thront der 4.671m hohe Mt. Fairweather. Selbst der Captain lässt sich zu einer Durchsage hinreißen und meint, dass er diesen Anblick seit 2 Jahren so nicht mehr hatte! Die Zeit geht viel zu schnell rum, so dass wir uns leider schon wieder auf den Rückweg machen müssen. Die Glacier Bay mit ihren Gletschern gehört für uns ab sofort zu einem der absoluten MUST-DOs in Alaska.


Tag 5: Ketchikan

Es geht zurück in Richtung Vancouver. Bevor wir aber einmal mehr in den Genuss der Inside Passage kommen, machen wir noch Halt in Ketchikan. Die Stadt gilt als Lachshauptstadt der Welt und hat verschiedene Sehenswürdigkeiten zu bieten. Das Misty Fjord National Monument ist sicherlich die Hauptattraktion. Eine Tour dorthin kostet mehrere hundert Dollar. Da wir uns nach dem Seetag lieber etwas die Füße vertreten wollen, entschließen wir uns daher den Deer Mountain zu erklimmen. Auf dem Weg dorthin erkunden wir ein bisschen das Örtchen, laufen durch die sehenswerte Creek Street und kommen auch an einem Fluss vorbei, der voll mit Lachsen ist. Dann geht es hoch auf den Berg. Nach ca. 1 Stunde erreichen wir einen Aussichtspunkt und blicken hinab auf Ketchikan. Wir sehen unser Schiff, welches von hier oben ziemlich klein aussieht. Ein lohnenswerter Hike. Anschließend machen wir uns auf den Heimweg und kommen noch in einen kleinen Regenguss. In Alaska sollte man tatsächlich immer eine Regenjacke griffbereit haben – auch wenn die Sonne scheint. Wir kaufen noch ein paar Souvenirs in einem der unzähligen Läden und lassen den Tag auf dem Schiff ausklingen.


Tag 6: Inside Passage

Die Reise endet genau wie sie begonnen hat, nämlich mit der Fahrt durch die Inside Passage. Einmal mehr können wir von Deck aus viele Wale, Delfine und dieses Mal sogar eine kleine Gruppe Orcas beobachten.

Wir blicken zurück auf eine aufregende Woche mit vielen Erlebnissen und Eindrücken und kommen zu dem Schluss, dass unsere erste Kreuzfahrt gar nicht so schlimm war wie gedacht. Wir entschieden uns bei den Landgängen immer gegen die angebotenen Touren und nahmen die Ausflüge selber in die Hand. Grundsätzlich glauben wir, dass eine Alaska-Tour mit anderen Kreuzfahrten nicht zu vergleichen ist. Hier ist eher der Weg das Ziel und nicht unbedingt die Örtchen die angefahren werden. Die Inside Passage und vor allem die Glacier Bay sind DIE absoluten Highlights der Reise. Immer wieder ertappen wir uns dabei, etliche Stunden auf dem Observation Deck zu verbringen und einfach nur die vorbeiziehende Landschaft zu bestaunen. Die unzählig vielen Wale und Delfine, die das Schiff über Stunden begleiten, tun ihr übriges. Ansonsten herrscht auf dem Schiff natürlich typisches Kreuzfahrt-Flair. Nicht ganz unser Fall, aber trotzdem in Summe noch angenehm.

Alaska mit seiner atemberaubenden Natur hat uns in jedem Fall so sehr in seinen Bann gezogen, dass wir unbedingt nochmal wiederkommen wollen, um das Festland zu erkunden. Mal sehen wann es soweit ist?! Wir werden berichten 🙂

 

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